Segelgrundkurs: Halse

Bei der Halse geht man mit dem Heck durch den Wind, vom Raumwindkurs in den Raumwindkurs. Wir erreichen so ein Ziel, das auf der anderen Seite des Windes in Lee liegt, aber wir können danach auch wieder anluven. Bisher haben wir uns dafür mit der Q-Wende geholfen.

Was ist nun aber das Problem bei der Halse? Warum können wir nicht einfach abfallen und unkontrolliert mit dem Heck durch den Wind gehen.

Das Problem ist, dass der Wind von hinten kommt. Wir haben die Segel je weiter wir abfallen bis zum Raumwindkurs immer weiter aufgemacht. Auf Vorwindkurs liegt das Segel sogar fast platt vor dem Wind. Wenn wir jetzt weiter abfallen, also schon auf die andere Seite des Windes steuern, bekommt das Großsegel irgendwann den Wind von der anderen Seite. D.h. er schwingt ungebremst von einer Seite auf die gegenüberliegende Seite. Passiert das ungewollt und unkontrolliert, nennt man das Patenthalse.

Der Baum schlägt mit ungeheurem Schwung unerwartet herum. Glück, wenn keiner den Kopf dazwischen hat. Kracht der Baum in die Wanten, kann er das Rigg beschädigen oder sogar den ganzen Mast herunterholen. Bei der Jolle droht durch den Schlag die Kentern.

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Wir müssen also etwas unternehmen, damit der Baum nicht den ganzen Weg von der einen auf die andere Seite unkontrolliert zurücklegt. Wir holen ihn im richtigen Moment in die Mitte und lassen ihn nur noch die Hälfte des Weges ausrauschen. Dann stoppen wir ihn mit der Großschot ,bevor er auf die Wanten schlägt.

Wie finden wir aber den richtigen Punkt? Wie anfangs schon erwähnt, geht die Halse vom Raumwindkurs in den Raumwindkurs. Also müssen wir erst einmal dort hin. Wir sind auf halbem Wind, was müssen wir tun … ? Richtig, abfallen. „Fier auf die Schoten auf Raumwindkurs!“, heißt das Kommando und die Pinne ziehen wir zu uns hin. Irgendwann geht die Krängung aus dem Boot, der Vorschoter setzt sich in die Mitte. Wie weit fallen wir ab … ? Richtig, bis die Fock einfällt, dann anluven, bis die Fock wieder steht. Jetzt haben wir den Raumwindkurs gefunden, aus dem heraus wir die Halse fahren.

Vorsichtig abfallen.

Vorsichtig abfallen.

Dabei die Segel auffieren!

Dabei die Segel auffieren!

Wie geht es weiter? Wir wollen mit dem Heck durch den Wind, also müssen wir noch weiter abfallen. Wenn wir sehen, dass die Fock Anstalten macht einzufallen, stellen wir die Pinne mittschiffs. Jetzt ist es ganz wichtig, dass dieser Kurs gehalten wird. Wir fahren genau geradeaus, auch wenn wir uns jetzt bewegen müssen und die Gefahr besteht, dass wir das Ruder verziehen.

Die Fock fällt ein!

Die Fock fällt ein!

Ist die Fock also in dieser Position auf der Grenze zwischen Einfallen und Aufstellen, bewegen wir die Pinne mittschiffs. Wir stehen auf und nehmen sie so zwischen die Knie oder Unterschenkel, dass sie so bleibt wie sie war, als wir sie noch mit der Hand gehalten haben. Wir kontrollieren kurz, ob die Fock noch so ist wie wir sie haben wollten. Tut sie das nicht, korrigieren wir den Kurs wieder so, wie er sein sollte. Die ganze Zeit sind wir dabei in Bereitschaft, den Kopf einzuziehen, falls wir uns versteuern und der Baum herüberkommt.

Jetzt die Pinne nach mittschiffs und Kurs halten!

Jetzt die Pinne nach mittschiffs und Kurs halten!

Wir fahren jetzt also nach vorn gebeugt stehend, mit der Pinne zwischen den Knien, zwischen Raumwindkurs und Vorwindkurs. Jetzt holen wir die Großschot dicht. Das tun wir nicht in kleinen Schritten, sondern wir greifen so nah wie möglich an den Block der die Großschot am Cockpitboden führt, und ziehen sie so weit nur irgend möglich zu uns heran. So sollte die Großschot in zwei bis drei Zügen dicht geholt sein.

Kommando: “Hol dicht die Großschot!”

Kommando: “Hol dicht die Großschot!”

Die ganze Zeit achten wir darauf, dass wir uns nicht versteuern. Der Kurs muss immer noch gehalten werden. In der einen Hand haben wir die dicht geholte Großschot, mit der anderen Hand nehmen wir jetzt wieder die Pinne und setzen uns unter dem Baum durch auf die Seite, auf der eben noch das Großsegel war. (Jetzt ist es ja mittschiffs.) Das tun wir, indem wir das Bein, das auf der Seite war, wo wir eben noch gesessen haben, hinten über die Pinne heben.

Umsetzen!

Umsetzen!

Wir fahren immer noch den gleichen Kurs, wollen jetzt aber weiter abfallen, um mit dem Heck durch den Wind zu kommen. Haben wir eben noch die Pinne zu uns hingezogen um abzufallen, müssen wir sie jetzt von uns wegdrücken, da wir uns ja umgesetzt und die Seite gewechselt haben.

Pinne wegdrücken. Kommando: „Rundachtern!“

Pinne wegdrücken. Kommando: „Rundachtern!“

Das Großsegel ist immer noch dicht geholt, wir haben die Großschot in der Hand. Die darf aber auf gar keinen Fall um die Hand herumgewickelt sein, denn während wir die Pinne wegdrücken, kommt irgendwann der Wind von der anderen Seite ins Segel.

Wir spüren einen Druck auf der Großschot und lassen sie sofort durch die offene Hand durchrauschen. Ist die Großschot um die Hand gewickelt und geht nicht los oder halten wir sie fest, wirft es uns um. Kurz bevor der Baum die Wanten erreicht, greifen wir wieder zu und bremsen so den Baum. Damit wir bei diesem Schlag nicht kentern, müssen wir das sogenannte Stützruder geben. In dem Moment, in dem wir bremsen, ziehen wir einmal kurz an der Pinne und stellen sie danach sofort wieder mittschiffs.

„Fier auf die Großschot!” Einmal kurz an der Pinne ziehen und auf diese Weise Stützruder geben, wenn das Großsegel mit der Großschot vor den Wanten abgebremst wird!

„Fier auf die Großschot!” Einmal kurz an der Pinne ziehen und auf diese Weise Stützruder geben, wenn das Großsegel mit der Großschot vor den Wanten abgebremst wird!

Jetzt kann der Vorschoter die Fock überholen und die Segel werden auf Raumwindkurs angeholt. Sobald die Fock steht, liegt der Raumwindkurs an.

Kommando: “Hol an die Schoten auf Raumwindkurs!”

Kommando: “Hol an die Schoten auf Raumwindkurs!”

Den Ablauf kann man sich so merken: Fock fällt ein, Pinne zwischen die Knie! Großschot dicht, umsetzen, Pinne wegdrücken, Großschot auffieren und kurz vor den Wanten abbremsen, Stützruder, Fock über, anluven auf Raumwindkurs. Nicht bei jeder Jolle ist es möglich, für die Halse aufzustehen und die Pinne zwischen die Knie zu nehmen. Vielleicht hängt der Baum zu niedrig. Lassen Sie sich vor Fahrtantritt einweisen.

Schauen Sie sich dazu auch den Trickfilm → an!

Die Kommandos lauten also:
„Klar zur Halse?“ „Ist klar!“
„Fier auf die Schoten!“
„Hol Dicht die Großschot!“
„Rundachtern!“ (Das ist das Zeichen, dass das Heck jetzt durch den Wind geht.)
„Fier auf die Großschot!“ (danach kommt das Stützruder)
„Hol an die Schoten auf Raumwindkurs!“

Wir haben jetzt also mit der Halse gelernt wie wir mit dem Heck durch den Wind gehen können. Danach sind wir in der Lage, einen Dreieckskurs zu segeln, und sind damit fit, um an einer Regatta teilnehmen zu können.

Im nächsten Kapitel erkläre ich das letzte Segelmanöver. Das Beidrehen.

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