Segelgrundkurs: Ablegen unter Segeln

In diesem Kapitel erkläre ich das Ablegen unter Segeln. Ich gehe dabei davon aus, dass ich von einem Steg ablegen möchte, der in ein Gewässer hineinragt. Die Methode funktioniert aber auch überall anders, selbst im Hafen. Vielleicht muss man dafür ein Stück paddeln, um sich z.B. an einem Pfahl oder einer Boje festzumachen, hinter denen genug Platz nach Lee ist.

Wir legen auf meinen Fotos zur Demonstration vom Steg ab. Die erste Frage ist: Wo sind die Schwimmwesten? Denn wenn man ins Wasser fällt, dann meistens vom Steg aus oder wenn man das Boot betritt.

Werbung für mein Buch und Ebook:


EbookDieser Online-Segelgrundkurs ist auch als preiswertes Ebook und als Taschenbuch erschienen. Damit können Sie sich offline optimal auf Ihren Segelkurs vorbereiten. Alle Infos zu Buch und Ebook hier!

Oder direkt zum Download:
iTunes | Multi-Touch-Book   Amazon | Kindle-Shop   Android | Google Play
Das Taschenbuch finden Sie bei: Amazon.de


 

Die zweite Frage ist dann: Woher kommt der Wind? Und zwar der wahre Wind. Den erkennen wir z.B. an Flaggen oder an den Verklickern der anderen Boote, die am Steg liegen. Wenn das Boot mit dem Heck nach Luv oder an einer ungünstigen Stelle ohne Leeraum liegt, müssen wir es verholen. Im ersten Fall paddeln wir auf die andere Seite. Im zweiten Fall vielleicht weiter nach vorne am Steg. Oder wir hängen es hinten an ein anderes Boot oder an einen Pfahl.

Es kommt darauf an, dass das Boot mit dem Bug im Wind liegt. Es muss frei pendeln können, wenn es an der Vorleine festgemacht ist. Wenn man dann auf das Boot übersteigt, sollte man den Bug in der Mitte betreten. Jollen liegen nicht sehr stabil auf dem Wasser. Ist schon einer von der Mannschaft an Bord geht man auf die ihm gegenüberliegende Seite und verhindert so die Hafenkenterung.

Das Boot wird jetzt für das Ablegen vorbereitet. Man überprüft, ob alle Ausrüstung an Bord ist, und macht die Persenning vom Großsegel. Man schlägt die Fock an und führt die Schoten durch die Ösen. Die Großschot muss jetzt unbedingt losgemacht werden, denn das Großsegel muss beim Setzen immer frei nach Lee schwingen können. Kann es das nicht, bildet es einen Widerstand für den Wind, wenn das Boot sich aus irgendeinem Grund schon dreht, und es fährt eventuell schon los. Direkt in den Steg.

Welches Segel wird jetzt zuerst gesetzt … ? Wenn wir die Fock zuerst setzen killt, sie die ganze Zeit im Wind, während wir das Großsegel setzen. Das Segel und die Schoten fliegen uns um die Ohren und dem Material tut das auch nicht gut. Also setzen wir zuerst das Großsegel. Merken kann man sich das so: Am Morgen stehen die Großen zuerst auf und dann die Kleinen. Am Abend gehen die Kleinen zuerst ins Bett und dann die Großen. In dieser Reihenfolge setzen und bergen wir die Segel.

Die Kommandos dazu lauten: „Klar zum Setzen des Großsegels?“ „Ist klar!“ „Heiß Großsegel!“ Dabei nicht an den Baum oder in die Großschot greifen, sonst passiert das gleiche, wie wenn die Großschot festgeklemmt ist. Ist das Großsegel oben, wird die Fock gesetzt. Die Kommandos lauten: „Klar zum Setzten des Vorsegels?“. „Ist klar!“ „Heiß Vorsegel!“ Jetzt sind beide Segel gesetzt, das Boot hängt nur noch an der Vorleine am Steg und pendelt sich im Wind ein.

Wie geht es weiter? Dazu fragen wir uns: Wo wollen wir hin. Legen wir über Backbord oder über Steuerbord ab? Steuerbord ist auf meinen Bildern das Ufer, also nach Backbord. Wenn wir dorthin fahren wollen, auf welcher Seite sitzt dann beim Ablegen der Steuermann? Wie wir gelernt haben, sitzt er immer gegenüber vom Großsegel. Wenn wir also später nach Backbord ablegen, fällt das Großsegel auch dorthin, denn da ist dann Lee. Also sitzt in unserem Fall der Steuermann an Steuerbord.

Kommando: „Klar zum Ablegen über Backbord?” Antwort: “Ist klar!”

Kommando: „Klar zum Ablegen über Backbord?” Antwort: “Ist klar!”

Wie hält er die Pinne, um rückwärts so zu fahren, dass der Bug später in die Richtung zeigt, in die wir wegfahren wollen? Wir stellen uns dazu vor, wie wir vorwärts an dem Steg angelegt hätten. Denn die Ruderstellung ist die gleiche wie, wenn wir rückwärts in diese Position zurückfahren. Wir hätten zum Anlegen in den Wind schießen müssen. Also anluven. Dafür hätten wir die Pinne … ? Richtig, weggedrückt. Wenn wir also zum Ablegen an Steuerbord sitzen, zeigt die Pinne nach Backbord.

Ablegen über Backbord

Ablegen über Backbord

Bildbeschreibung: Der Steuermann sitzt an Steuerbord, also auf der Seite wo er nicht hin ablegen will. Die Fock wird an Steuerbord back gehalten, also auf der Seite in die nicht hin ablegt werden soll. Die Pinne zeigt nach Backbord in die Richtung, in die hin abgelegt werden soll!

Der Steuermann hat jetzt seine Position und die Ruderstellung gefunden. Was macht der Vorschoter? Er stellt sich auf den Steg, macht die Leine los und nimmt sie in die Hand. Er wartet, bis das Boot genau im Wind liegt. D.h. der Baum befindet sich genau in der Mitte. Mit der anderen Hand hält er sich dann am Vorstag fest. Er setzt einen Fuß auf den Bug des Boots, mit dem anderen stößt er sich kräftig vom Steg ab und stellt sich auf das Vorschiff.

Um die Rückwärtsfahrt und die Drehbewegung des Boots zu unterstützen, hält er die Fock back. Diese bildet einen Gegenbauch, der Wind drückt hinein und schiebt das Boot nach hinten. Aber an welcher Seite wird die Fock back gehalten?

Bild 104: Kommandos: „Fock back an Steuerbord! Leinen los!”

Bild 104: Kommandos: „Fock back an Steuerbord! Leinen los!”

Was passiert, wenn wir die Fock an der Seite back halten, in die wir später fahren wollen, also in unserem Fall Backbord? Erst fahren wir wie gewünscht rückwärts geradeaus, aber das Boot dreht sich ja. Irgendwann bekommt das Vorsegel den Wind von Steuerbord und stellt sich schön auf. Anstatt uns rückwärts zu schieben, fahren wir wieder vorwärts.

Der Wind drückt in die back gestellte Fock und damit nimmt das Boot Rückwärtsfahrt auf.

Der Wind drückt in die back gestellte Fock und damit nimmt das Boot Rückwärtsfahrt auf.

Stellen wir die Fock back auf der Seite, in die wir nicht hin ablegen, drückt der Wind die ganze Zeit in die eigentlich falsche Seite des Segels und unterstützt die Rückwärtsfahrt und die Drehbewegung. Irgendwann zeigt der Bug in die Richtung, in die wir fahren wollen. Der Vorschoter setzt sich ins Cockpit und passt auf, dass er den Baum nicht an den Kopf bekommt.

Kommando: “Über die Fock!”

Kommando: “Über die Fock!”

Die Fock wird dann auf die andere Seite nach Lee gezogen und der Steuermann holt das weit nach Lee ausgewehte Großsegel mit der Großschot an. Die Segel werden auf den Kurs eingestellt, den wir fahren wollen, und los geht es.

Kommando: “Hol an die Schoten auf Halbwindkurs!”

Kommando: “Hol an die Schoten auf Halbwindkurs!”

Kommando: “Halbwindkurs liegt an!”

Kommando: “Halbwindkurs liegt an!”

Wir merken uns für das Ablegen: Der Steuermann setzt sich auf die Seite, in die er nicht hin ablegen will. Die Fock wird back gehalten auf der Seite, in die er nicht hin will. Aber die Pinne, die zeigt da hin, wo er hin will.

Sehen Sie sich dazu den Trickfilm → an:

Wenn das Boot im Wind liegt, lauten die Kommandos zum Ablegen: „Klar zum Ablegen über Backbord/Steuerbord?“ „Ist klar!“ „Fock back an Backbord/Steuerbord! Leinen los!“ Haben wir abgelegt und das Boot liegt quer zum Wind: „Über die Fock! Holt an die Schoten auf Halbwindkurs!“

Leider kommt der Wind nicht immer so ideal zum Steg wie auf den Bildern. Vielleicht liegen wir zwischen anderen Booten, die auch nur mit der Vorleine festgemacht sind und im Wind schwingen. Dann müssen wir die Pinne beim Ablegen erst so lange gerade halten, bis wir rückwärts aus der Box herausgefahren sind. Dann erst drücken wir sie von uns weg. Liegen die anderen Boote nicht im Wind, müssen wir unser Boot so verholen, dass wir richtig ablegen können.

An einigen Segelschulen wird das Ablegen nicht am Steg, sondern am Motorboot geübt:

Ablegen vom Motorboot: “Klar zum Ablegen über Backbord?” “Ist klar!” “Fock back an Steuerbord und Leinen los!”

Ablegen vom Motorboot: “Klar zum Ablegen über Backbord?” “Ist klar!” “Fock back an Steuerbord und Leinen los!”

Die Pinne so lange mittschiffs halten bis das Motorboot passiert ist!

Die Pinne so lange mittschiffs halten bis das Motorboot passiert ist!

Dann die Pinne wegdrücken!

Dann die Pinne wegdrücken!

“Über die Fock und hol an die Schoten auf Halbwindkurs!”

“Über die Fock und hol an die Schoten auf Halbwindkurs!”

“Halbwindkurs liegt an!”

“Halbwindkurs liegt an!”

Wie waren noch einmal die Regeln beim Ablegen … ? Richtig: Das Boot liegt genau im Wind. Ich setze mich auf die Seite, wo ich nicht hin will. Die Fock steht back auf der Seite wo ich nicht hin will, und die Pinne zeigt dahin, wo ich hin will!

Jetzt können wir ablegen, alle Segelmanöver fahren, aber wie legen wir wieder an? Das erkläre ich im nächsten Kapitel.

← Beidrehen | Anlegen unter Segeln →

Alle Beiträge zum Online-Segelgrundkurs:
Begriffe | Segeltheorie | Amwindkurs | Halbwindkurs | Raumwindkurs | Wende | Kreuzen | Q-Wende | Aufschießer | Boje über Bord | Halse | Beidrehen | Ablegen unter Segeln | Anlegen unter Segeln | Ausweichregeln Teil 1 | Ausweichregeln Teil 2 | Ausweichregeln Teil 3 | Reffen | Kentern

© 2013 -2014 sailnator.de


Werbung:

EbookMein Online-Segelgrundkurs mit den Seemannsknoten ist jetzt auch für wenig Geld als Ebook erschienen: "Segeln lernen mit Käpten Sailnator"

Alle Infos zum Ebook hier!

Oder direkt zum Download:
iTunes | Multi-Touch-iBook   Amazon | Kindle-Shop    Android | Google Play

Das Ebook ist bei Amazon.de auch als Taschenbuch erhältlich – für diejenigen, die gerne ein echtes Buch in der Hand halten, und für die, die es verschenken möchten. Für Infos zum Taschenbuch: Hier klicken


Anzeige:


 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *