Rund Langeland

Törnbericht: Rund Langeland | Autor: Alexander Meyer | September 2009 | Yacht: X-Yacht 48 „Albatros“ | Ausbildungstörn |

Montag, 21.09.

Die sechs Teilnehmer des Ausbildungstörns und ich sind schon erwartungsvoll an Bord. Lebensmittel und Getränke sind gestaut, Diesel und Wasser aufgefüllt. Gegen 09.00 Uhr erscheint der Skipper mit dem Logbuch und gibt der Crew eine gründliche Sicherheitseinweisung in alle relevanten Bereiche der Yacht: Wie funktionieren Rettungswesten, Rettungsinsel und Seeventile? Wie setzt man einen Notruf ab? Wo sind die Feuerlöscher und die Lenzpumpen, wo das Werkzeug, die Taschenlampen und und und…

Schassi Alexander

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Ich war in der letzten Woche als Segelausbilder an der hanseatischen Yachtschule tätig und habe jetzt die Ehre als Schiffsführerassistent, kurz Schassi, auf diesem wunderbaren Schiff mitfahren zu dürfen. Nachdem an Bord soweit alles geklärt und die Notfallrolle besetzt ist, legen wir ab. Jeder der Teilnehmer fährt vor der Hafeneinfahrt erst einmal ein „Boje über Bord“-Manöver. Dabei bekommen wir ein gutes Gefühl für das Schiff. Danach geht es endlich mit gesetzten Segeln in Richtung der Halbinsel Holnis. Diese gilt es zu umrunden, bevor sich die Flensburger Außenförde öffnet und den Weg in die offene Ostsee frei gibt.

Die Yacht springt sofort an und neigt sich leicht zur Seite. Auf den Gesichtern der Crew ist das Glücksgefühl abzulesen, das uns jetzt alle überkommt. Endlich wieder mit einem richtigen Schiff segeln. Der Bug schneidet das Wasser. Das Geräusch lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Wir passieren den Leuchtturm Holnis und kurz darauf die „Schwiegermutter“. Die berüchtigte Tonne soll bald durch einen festen Pfahl ersetzt werden. Er ragt jetzt schon direkt neben dem Seezeichen noch unbemalt und unbefeuert aus dem Wasser. Während der Skipper an seinem Tisch mit der Navigation beschäftigt ist, bin ich an Deck und leite die Crew an. Jeder möchte natürlich ans Ruder, die Manöver müssen koordiniert, die Segelstellung überprüft und das Lot überwacht werden. Wir bekommen unsere Anweisungen vom „Skipper des Tages“! Das ist ein Crewmitglied, das unter der Aufsicht des „wahren“ Skippers die Verantwortung für die Navigation übernimmt. Backschaft und Wachen sind vom Schiffsführer vor Fahrtantritt eingeteilt worden, so dass jeder seine Aufgabe hat. Langeweile kommt sowieso nicht auf. An uns zieht die wunderschöne Küste der Flensburger Außenförde vorbei. Immer wieder müssen Kurs und Segelstellung geändert werden. Um im Fahrwasser bleiben zu können, ist auch das eine oder andere Manöver erforderlich. Für einen Montag im September sind ungewöhnlich viele Yachten unterwegs. Es sind die Kenntnisse der Crew über die Ausweichregeln gefragt: Wer hat den Wind von Backbord, wer von Steuerbord? Wer ist in Luv, wer in Lee? Wer ist Überholer? Dazu kommen die Regeln der Seeschifffahrtsstraßenordnung, denn noch befinden wir uns in deutschen Gewässern.

Dänische Südsee

Dänische Südsee

So vergeht ein wunderbarer Segeltag. Die Crew gewöhnt sich langsam an das Schiff, ich finde mich in meine Rolle als Schassi ein und selbst die Yacht scheint den Törn zu genießen. Wir fahren über die offene Ostsee Richtung Bagenkop, das wir am frühen Abend erreichen. Wir gehen mit der Yacht so längsseits, dass uns der Wind in der Nacht von der Pier wegdrückt. Kurz nach dem Anlegen wird es bereits gegen 20.30 Uhr dunkel. Es ist schon Ende September.

Die Hanseatische Yachtschule hat uns für die ersten zwei Segeltage mit Lebensmitteln ausgestattet. So haben wir am Morgen vor der Abfahrt die Zeit für das Einkaufen gespart. Jetzt können wir das von dem mit hungrigen Crews erfahrenen Koch der Yachtschule zusammengestellte Menü einfach nachkochen. Schon bald sitzen wir in geselliger Runde beim Essen. Die Erlebnisse des Tages werden ausgetauscht, frühere Segelerlebnisse mit den heutigen verglichen und aufgehübscht. Erste Freundschaften werden geschlossen.

Der Backschaftsplan klärt eindeutig, wer heute den Abwasch zu erledigen hat. Jeder ist irgendwann einmal dran. Noch einen kurzen Verdauungsspaziergang durch den Hafen, dann ist es auch schon Zeit in die Kojen zu kriechen. Wir wollen morgen früh raus, um möglichst lange segeln zu können.

Dienstag, 22.09.

Am Morgen ist der Himmel bedeckt und es pfeift ein ordentlicher Westwind. Nach einem reichhaltigen Frühstück laufen wir unter Motor aus. Es hat sich, verstärkt durch das vor der Küste flachere Wasser, eine ordentliche Welle aufgebaut. Sie steht direkt auf die Hafenausfahrt. Wir müssen natürlich genau dagegen an, um unsere Segel setzen zu können. Unsere Yacht hat keine Rollreffanlage für das Vorsegel. Je nach Windstärke wird die Größe der Fock oder Genua ausgewählt, am Vorstag angeschlagen und dann gesetzt. Und wer muss bei diesen Bedingungen natürlich auf das Vorschiff? Der Schassi.

Das Schiff tanzt auf den Wellen. Der Steuermann hat Schwierigkeiten es im Wind zu halten. Ich und zwei Crewmitglieder picken uns mit unseren Lifebelts in die Sicherheitsleine ein und kriechen nach vorn. Immer wieder taucht der Bug in die Wellen. Am besten man schaut gar nicht erst über die Reling. Wenn der Bug auf den Wellenkamm steigt, kommt zur Wellenhöhe noch mal die Höhe des Freibords der Yacht dazu. Der Blick nach unten ist vergleichbar mit dem vom Dreimeterbrett im Schwimmbad. Gerade wollen wir die Fock anschlagen, als mein erster Begleiter ankündigt, sich gleich übergeben zu müssen. Ich bin von den letzten Wochen Ausbildung auf dem Folkeboot zum Glück eingeschaukelt und kann die Bewegungen des Bootes zu meiner Überraschung gut wegstecken. Für Seekrankheit bleibt auch gar keine Zeit. Wir müssen jetzt richtig arbeiten. Das große Segel ist schwer und der Wind zerrt daran. Endlich ist der Lappen oben. Meinem Kameraden bleibt noch Zeit, bis er den im Cockpit für diese Fälle schon bereitgestellten Eimer in Anspruch nehmen muss.

Unter Segeln liegt das Schiff sofort ruhiger und wieder souverän im Wasser. Unser erfahrener Skipper führt die Yacht auf die Ostseite von Langeland. Hier sind wir im Lee der Insel vor den kurzen steilen Ostseewellen geschützt. Alle, die schon etwas grün im Gesicht waren, erholen sich jetzt schnell. Es gibt wieder viel zu tun. Der Skipper des Tages sitzt fleißig am Navitisch. Wir müssen reffen, das Babystag muss gefahren werden, die Segelstellung wird immer wieder dem Kurs angepasst und natürlich will jeder einmal ans Ruder. Ich bedauere es innerlich, dieses herrlich große Steuerrad nicht auch einmal länger in der Hand halten zu können und die Gewalt über dieses wunderbare Schiff zu haben. Ab und zu kann ich mich aber beim Steuermannwechsel kurz dazwischen mogeln oder wenn ich einmal etwas zeigen muss. Ist die Yacht gut getrimmt, sitzt man auf der Kante – das Rad zwischen den Beinen – und das Schiff läuft, ohne dass man viel tun muss. Inzwischen zeigt die Logge über acht Knoten Fahrt an.

Der Beweis: 8 Knoten

Der Beweis: 8 Knoten

Der Wind frischt weiter auf und wir müssen nach dem ersten schon bald ein zweites Reff einbinden. Langeland zieht an uns vorbei und irgendwann taucht die Brücke über den Storebælt vor uns auf. Sie scheint zum Greifen nahe, aber es dauert noch lange, bis wir da sind.

Kurz bevor wir sie erreichen, ändern wir den Kurs und kreuzen auf Nyborg zu. Bei Einbruch der Dunkelheit laufen wir in den Hafen ein, machen fest, trinken unser Anlegerbier und die Backschaft sorgt für das Abendessen. Ein gelungener Segeltag geht zu Ende. Wir freuen uns schon auf die Fortsetzung des Törns am nächsten Morgen.

Mittwoch, 23.09.

Wir legen zeitig ab. Die Crew ist inzwischen eingespielt und das Setzen der Segel funktioniert einwandfrei. Heute müssen wir jedoch gleich zu Beginn das zweite Reff einbinden und später sogar nur noch unter Fock fahren. Wir hangeln uns an der Ostküste von Fünen im Lee der Insel entlang. Leider ist der Wind etwas auf südlichere Richtung gedreht, so dass wir weiter Richtung Langeland abfallen müssen. Plötzlich wird das Schiff langsamer. Erst fünf, dann plötzlich drei, dann nur noch knapp zwei Knoten Fahrt. Wir stehen faktisch. Der Skipper kommt an Deck. Das Lot zeigt 11 Meter Wassertiefe, also können wir nicht aufgelaufen sein. Ich vermute, dass wir vielleicht in ein Fischernetz gefahren sind. Es könnte auch sein, dass der Wind das Wasser auf dieser Seite der Meerenge zusammendrückt und dadurch eine starke Strömung entsteht. Anscheinend kommen wir dagegen nicht an. Mein Vorschlag zu wenden und es an der uns gegenüber liegenden Küste von Fünen zu versuchen, wird angenommen und siehe da, das Schiff läuft wieder. Kurz bevor wir in den Thurø Sund einlaufen, treffen wir auf die Möwe, eine weitere Ausbildungsyacht der Yachtschule. Erst jetzt wird uns bewusst, dass wir bisher kein anderes Segelboot auf unserer heutigen Fahrt gesehen haben. Zu viel Wind!

Nur mit Vorsegel

Nur mit Vorsegel

Wir segeln im engen Fahrwasser den Sund hinauf, bis wir kurz vor dem Stadthafen von Svendborg die Segel bergen. Leider ist für eine Yacht unserer Größe heute nur ein Platz im Luv des Schwimmsteges frei, auf den uns der Wind jetzt drückt. Wir fendern das Schiff gut ab. Dann bereitet die Backschaft das Abendessen vor. Ein Segeltag voll mit neuen Erfahrungen geht zu Ende. Nach einem kurzen Gang durch die fast ausgestorbene Stadt fallen alle müde in ihre Koje.

Donnerstag, 24.09.

Gegen 09.00 Uhr sind wir schon startklar und verlassen Svenborg in südwestlicher Richtung durch den Svendborgsund. Bei der „Sundbrovej“-Brücke kehrt sich die Betonnung des Fahrwassers um. Obwohl das vom Skipper angekündigt wurde, ist diese Änderung, wie auch der weitere Fahrwasserverlauf, doch recht verwirrend. Es gilt höllisch aufzupassen, um nicht auf die falsche Seite der Tonnen zu fahren. Endlich erreichen wir offenere Gewässer und können Segel setzen.

Ein wunderbarer Segelwind treibt uns unter Vollzeug über das Wasser. Das Schiff scheint wie auf Schienen zu fahren. Es ist herrlich, die Gischt, die wir verursachen, zu beobachten sowie die gerade Linie des Kielwassers, die sich hinter uns bildet. Die Sonne kommt heraus, endlich können wir unsere Kapuzen abnehmen und den schönen Septembertag genießen. Es geht vorbei an vielen kleine Inseln. Zurück in deutschen Gewässern beobachten wir wie Schnellboot der Bundesmarine einem holländischen Traditionsschiff zur Hilfe kommt und jemand abgeborgen wird. Wir hoffen, dass nichts Ernsthaftes passiert ist.Die Aktion seht ihr auch kurz im folgenden Video:

Am späten Nachmittag liegt Schleimünde vor uns. Wir passieren den Leuchtturm und die „Giftbude“. Die Luft flimmert. Der Turm und die Bäume auf der Halbinsel erscheinen wie eine Fatamorgana. In Maasholm gehen wir längsseits, melden uns beim Hafenmeister an und machen vor dem Essen noch einen Gang durch den kleinen Ort. An diesem Abend wird es spät an Bord. Es gibt viel über die Abenteuer der letzten Woche zu erzählen. Jeder hat noch ein Detail beizutragen oder seine Sicht der Dinge dazustellen.

Schleimünde

Schleimünde

Freitag, 25.09.

Heute ist schon unser letzter Segeltag. Erst wenn man Dinge fern des Alltags unternimmt merkt man, wie schnell eigentlich die Zeit vergeht. An Maasholm zieht eine lange Kette von Traditionsschiffen und Yachten vorbei. Sie haben sich wahrscheinlich zuvor an der Brücke von Kappeln getroffen. Wir reihen uns ein und lassen uns von der Fock durch die Schleimündung ziehen.

Draußen im freien Wasser setzen wir auch das Großsegel. Ein herrlicher Segeltag liegt vor uns. Wir kommen fast zu schnell voran. Deshalb beschließt der Skipper, uns etwas zu fordern. Plötzlich geht die Boje über Bord. Die Entspannung weicht der Konzentration. Auf einmal ist Bewegung auf dem Schiff. Die Boje tanzt auf den Wellen und ist kaum noch auszumachen, aber wir bekommen sie beim ersten Versuch mit der klassischen Q-Wende wieder zurück.

Der Skipper ist zufrieden, zeigt uns aber noch andere Variationen des Manövers. Jeder darf es einmal ausprobieren. Wir sind erstaunt, was unsere Yacht alles aushält und wie wendig und agil sie trotz ihrer Größe und ihres Gewichtes ist. Während unserer Übungen ziehen die anderen heimkehrenden Yachten der Yachtschule an uns vorbei. Das wurmt den Skipper natürlich und wir beginnen eine kleine Regatta. An der „Schwiegermutter“ müssen wir noch einmal reffen, während dunkle Wolken über uns hinwegziehen. Dann geht es dem Fahrwasser folgend zurück in den Heimathafen Glücksburg.

Jetzt ist es Zeit für ein Anlegerbier. Wir sind stolz, als Crew so weit zusammengewachsen zu sein und diesen Törn gemeinsam gemeistert zu haben. Nachdem klar Schiff gemacht ist, wird auf der Terrasse der Yachtschule gegrillt. Es kommt ordentlich etwas auf den Teller. Nach dem Essen holt der Skipper sein Schifferklavier aus dem Auto, das er wegen der Feuchtigkeit leider nicht mit an Bord nehmen konnte. Es werden Schantys und Lieder intoniert wie „Junge komm bald wieder “. Die Crews der anderen Schiffe und die Teilnehmer der landgestützten Kurse gesellen sich dazu und singen mit. Als es dunkel wird, zieht sich der Skipper eine Stirnlampe auf, um Noten und Text noch lesen zu können. So klingt eine fantastische Segelwoche mit Musik der echten Seefahrer aus.

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