Sailing Vessel Prism | Interview

Moin zusammen! Es geht weiter mit meiner Serie über Fahrtensegler und Liveaboards, und diesmal habe ich die Ehre Shannon und Jon von Sailing Vessel Prism zu interviewen. Sie sind von der Region Pacific Northwest in den USA bis hinunter nach Honduras gesegelt und sie veröffentlichen ihre Segelabenteuer in sehr professionellen Videos auf ihrem Youtube-Kanal. Ihr findet den Link dorthin wie immer am Ende dieses Interviews. Die Videos sind auch deshalb so sehenswert, weil sie uns ein Seegebiet und Länder zeigen, wo die wenigsten von uns jemals segeln dürften. (Hier findet Ihr das Originalinterview auf Englisch →)

Käpten Sailnator: Hallo Shannon und Jon, vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Stellt Euch bitte einmal meinen Lesern vor. Wer seid Ihr?

Shannon: Mein Name ist Shannon Walker, ich bin 28 Jahre alt und bin im Süden von Kalifornien aufgewachsen. Ich bin der erste Mat auf Prism. Der Kapitän it Jon Neely, er ist 26 Jahre alt und ist in den Bergen von Zentralkalifornien aufgewachsen. Jon und ich haben uns 2009 getroffen und schon in diesem Jahr hat er mich gefragt: „Würdest Du es gut finden einmal um die Welt zu segeln?“ Als wir am Anfang Kalifornien verlassen haben um unser Segelabenteuer zu beginnen hat uns mein Bruder Sean die ersten 5 Monate begleitet. Außerdem haben wir ein kleines Kätzchen in Zihuatanejo in Mexiko gerettet; sie heißt Benita.

Shannon and Jon

Shannon und Jon

Käpten Sailnator: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen zu segeln und an Bord zu leben?

Shannon: Jon ist mit Segeln aufgewachsen, und die Idee um die Welt zu segeln war für Ihn schon sein ganzes Leben sein Ziel. Und ich habe mich von seinem Enthusiasmus anstecken lassen. Als er mich gefragt hat, ob ich um die Welt segeln will habe ich gedacht: „Warum nicht?“

Käpten Sailnator: War es dann eine spontane Entscheidung oder eher ein längerer Prozess?

Shannon: Es fing eigentlich spontan an und entwickelte sich dann zu einem Prozess, einem 5 Jahre langen Prozess um genau zu sein. In dieser Zeit haben Jon und ich ein Boot gekauft, haben es auseinander genommen und innerhalb von 2 Jahren wieder zusammen gebaut. Wir sind dann mit diesem Boot nach Süden gesegelt, haben es aber nur bis Südkalifornien geschafft und haben uns dann dazu entschieden, dass wir ein größeres Boot wollten. Also haben wir unser zweites Boot gekauft, haben ein Jahr gebraucht um es in Schuss zu bringen und dann ging es los.

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Käpten Sailnator: Was haben Eure Freunde und Eure Familien zu Euren Plänen gesagt?

Shannon: Die meisten unserer Freunde haben uns zugestimmt und gesagt es wäre eine großartige Idee und das Abenteuer unseres Lebens. Die Familie hat das ähnlich gesehen, aber sie waren sehr traurig darüber uns so lange nicht zu sehen.

Käpten Sailnator: Was habt Ihr mit Eurem Haus, dem Auto und Euren Sachen gemacht?

Shannon: Jon und ich haben uns halt ein Boot anstatt eines Hauses gekauft 🙂 Und als die Zeit kam abzulegen haben wir unser Auto verkauft und wir haben nur noch ein paar wenige Sachen in einem Lager untergebracht.

Käpten Sailnator: Wie habt Ihr denn eigentlich segeln gelernt?

Shannon: Jon ist wie gesagt mit Segeln aufgewachsen und hat alles was er weiß von seinem Vater gelernt. Ich hab als Kind im Sommerlager schon ein bisschen mit Booten zu tun gehabt, aber richtig segeln habe ich erst mit Jon als Lehrer gelernt. Wir lernen auch beide noch immer wieder etwas neues jedes Mal wenn wir segeln.

Käpten Sailnator: Und wie konntet Ihr es Euch leisten Euren Traum Wirklichkeit werden zu lassen?

Shannon: Jon und ich haben hart gearbeitet und haben alles gespart, was wir nicht zum leben brauchten. Jon ist selbständiger Videofilmer, und ich habe als Buchhalterin gearbeitet um die Reisekasse zu füllen, bevor wir aufgebrochen sind. Als wir losgefahren sind hatten wir genug gespart, um auf unserer Fahrt 2 bis 3 Jahre lang 500 Dollar im Monat ausgeben zu können.

Käpten Sailnator: Was für ein Boot ist SV Prism denn eigentlich?

Shannon: Sie ist eine Hans Christian 33t. Sie wurde 1982 gebaut, ist auf dem Papier 10.29 m lang, aber über alles misst sie mit Bugspriet und Windsteueranlage am Heck ungefähr 43 Fuß. Sie ist ein Langkieler, der aber nicht ganz bis zum Bug geht. Tiefgang ist 1.68 m und sie ist 3.56 m breit. (Alle Daten des Bootes hier →)

Sailing Vessel Prism

Sailing Vessel Prism

Käpten Sailnator: Warum habt Ihr Euch dazu entschieden gerade dieses Boot zu kaufen?

Shannon: Wer würde dieses Boot nicht kaufen? Die HC33 war schon immer unser Traumboot. Sie hat die Schönheit klassischer Yachten, hat innen genug Platz um sich zu hause zu fühlen, sie hat die Fähigkeit überall hinzusegeln und sie gibt Dir das Gefühl von Sicherheit auf längeren Überfahrten. Und trotzdem ist sie noch klein genug um einhand gesegelt werden zu können, falls nötig.

Käpten Sailnator: Und wie habt ihr sie gefunden?

Shannon: Wir haben den Markt ständig auf yachtworld.com beobachtet um zu sehen was für Boote zum Verkauf stehen und haben dabei auch immer nach den HC33 gesucht. Als Prism auf den Markt kam stand sie für $98,000.00 zum Verkauf, was weit über unseren Möglichkeiten lag. Wir konnten beobachten wie der Preis über die Wochen immer weiter fiel und dachten uns dann: Warum sollen wir kein Angebot machen? Das schlimmste was passieren kann ist, dass sie nein sagen. Im Brief mit dem Angebot haben wir den Eignern ein bisschen über uns selbst erzählt und über unseren Traum um die Welt zu segeln. Wir hatten Angst, dass sie einfach nein sagen, aber sie taten das nicht ganz. Sie lehnten unser Angebot ab, nannten aber ihren absoluten Tiefstpreis, für den sie bereit waren das Boot zu verkaufen. Und auf den sind wir sofort aufgesprungen. Fünf Tage später haben wir all unsere Sachen in unseren Subaru gepackt, haben unser erstes Boot „Tara“ einem Makler übergeben und sind hinauf nach Olympia in Washington gefahren. Dort haben wir das Boot bar bezahlt, konnten aber nicht gleich zu unserem neuen Boot. Wir konnten es im Hafen des Olympia Yacht Club liegen sehen, aber die Mitglieder des Clubs haben uns nicht hinein gelassen. Sie sagten, wir brauchten ein Mitglied, das uns als ihre Gäste mit hinein nehmen würde. So haben wir am Eingang gewartet und jeden der hinein ging gefragt, ob er uns als Gast mitnehmen würde. Aber keiner hat es getan. So mussten wir auf unseren Makler warten, der gerade Segeln war. Nach 6 Stunden ist er dann endlich aufgetaucht.

Käpten Sailnator: Ihr hattet also einen Makler. Habt Ihr beim Bootskauf auch die Hilfe von einem Gutachter in Anspruch genommen?

Shannon: Der Makler von Prism war ein wahrer Lebensretter und so hilfreich! In der Woche bevor wir zum Boot fahren konnten hat er uns Bilder von jedem Teil geschickt, über das wir etwas wissen wollten. Er war sehr hilfsbereit und hat uns alles erklärt was wir z.B über die Mehrwertsteuer in Washington wissen mussten. An dem Tag an dem wir unseren ersten Segeltest auf dem Wasser durchgeführt haben wurde es auch aus dem Wasser geholt und begutachtet. Allerdings war der Gutachter ein Witz. Das war er gemacht hat, hätten wir auch machen können, hätten dabei mehr erfahren und die 500 Dollar gespart.

Käpten Sailnator: Welche offensichtlichen Probleme hatte das Boot?

Shannon: Auf den Bildern die wir bekommen haben war schon zu sehen, dass das Teakdeck in schlechtem Zustand war und dass es ausgetauscht oder ganz entfernt werden musste. Zum Glück war das aber dann nicht der Fall, es musste nur neu verfugt werden. Ansonsten war das Boot gut behandelt worden, es war sauber, bis auf den Schimmel, der halt auf allen Booten im feuchten und regenreichen Nordwesten der USA wächst.

Käpten Sailnator: Und welche versteckten Probleme habt Ihr dann später beim Refit entdeckt?

Shannon: Da fallen mir zwei Hauptprobleme ein. Zum einen war das Bugspriet total verrottet. Das hat uns böse überrascht und wir hatten Glück, dass es uns auf unserer Fahrt von Washington nach San Francisco nicht einfach abgebrochen ist. Das Zweite war das Ruder, das sich mit Wasser gefüllt und einen langen Riss in der unteren Hälfte hatte. Den mussten wir aufschneiden und mit einem neu aufgebauten Holzstück ersetzen.

Käpten Sailnator: Was habt Ihr dann beim Refit alles repariert, ausgetauscht oder geändert und wie lange hat das alles insgesamt gedauert?

Shannon: Das ist eine lange Liste. Was wir gemacht haben nenne ich gerne das „30 year upgrade“! Alle wichtigen Teile wurden durchgesehen, neu gebaut oder ausgetauscht. Hier zähle ich mal einige Dinge auf die wir gemacht haben, bevor wir dann endgültig losgefahren sind:
(Hinweis der Redaktion: Wo ich mir bei der Übersetzung nicht sicher war, habe ich das englische Wort noch dazu geschrieben. Bei Fehlern bitten unten einen Kommentar hinterlassen! Vielen Dank! Das englische Originalinterview findet Ihr hier →)

– Teakdeck neu verfugt
– Ausbau des alten gasbetriebenen Wasserboilers und Austausch gegen einen Elektrischen mit 110v
– Austausch des alten stehenden Gutes (Rig), Wechsel zu „hi-mod fittings“ (Hi-Modulus = Kohlefaser, Annahme der Red. Wer weiß was es ist, bitte unten einen Kommentar hinterlassen, danke!)
– Austausch des selbstpolierenden Antifoulings gegen hartes Antifouling
– Ausbau der Pumptoilette
– Anstrich des Ankerkastens, „laz and head area“ (Wer weiß was damit gemeint ist, bitte unten einen Kommentar hinterlassen, danke!)
– Ausbau des Ruders, (Osmose-)Blasenbekämpfung, neuer Ruderschaft
– schließen von 2 unnötigen Rumpfdurchbrüchen
– Überarbeitung aller anderen Rumpfdurchbrüche
– überprüfen und warten aller Seeventile
– Einbau von erneuerten Pumpen, des Anlassers und der Lichtmaschine
– neuer Auspuffschlauch und Reparatur des Endschalldämpfers
– neuer Rumpfdurchbruch für den Auspuff
– neuer Propeller „FEATHERING“ (Drehflügelpropeller oder Faltpropeller? Wer weiß was gemeint ist, bitte unten einen Kommentar hinterlassen, danke!)
– neue Führung für die Motorwelle (cutlass bearing)
– neue flexible Muffe (flexible coupler)
– Ausbau des alten Kühlschranks und Einbau von einem neuen wassergekühlten Kühlschranks
– Püttings (chain plates) ausbauen und wieder neu einbetten
– Anschluss des Wasserboilers an den Motor
– Installation einer neuen Treibstoffpumpe und Säuberung des ganzen Systems
– Rumpf über der Wasserlinie mit Säure abgewaschen (acid wash topsides)
– Rumpf abledern (buff) und waxen
– den alten Bootsnamen entfernen und den neuen anbringen
– Einbau einer neuen Bilgenpumpe
– Durchführung neuer (Elektro-)Kabel durch den Mast
– Mast streichen
– Mastfuß (pedestal) neu aufbauen
– noch mehr Sonalpanele anbauen
– alle Kabel durchsehen und alte ersetzen
Replaced kronz iron (Wer weiß was es ist, bitte unten einen Kommentar hinterlassen, danke!)
– Austausch des Funkgerätes

Käpten Sailnator: Was habt Ihr während des Refits für Erfahrungen gesammelt? Hattet Ihr eine steile Lernkurve?

Shannon: Zum Glück hatten wir eigentlich schon alles was wir wissen mussten gelernt, als wir unser erstes Boot „Tara“ renoviert hatten. Das war ein Zweijahresprojekt, das im Garten unserer Freunde stattfand. Da haben wir einen 28 Fuß Kahn von 1984 in einen Wochenendcruiser (pocket cruiser) von 2011 umgewandelt!

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Käpten Sailnator: Und hat das Refit Eure Beziehung zueinander verändert?

Shannon: So ein Refit ist schon sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. An einem bestimmten Punkt während des Refits von Tara mussten wir einen Monat Urlaub nehmen. 30 Tage ohne an das Boot zu denken oder nach ihm zu sehen. Sonst hätten wir es einfach abgefackelt. Jon ist ein sehr motivierter Mann, der hinaus aufs Meer und sobald als möglich segeln wollte. Also, immer wenn wir nicht auf der Arbeit waren um Geld für unseren Traum zu verdienen, waren wir mit dem Boot beschäftigt. Das Gleiche war es mit Prism. Es war „arbeiten, arbeiten, arbeiten“ um so schnell wie möglich spielen gehen zu können. Hätte uns Jon nicht immer wieder angetrieben lägen wir wahrscheinlich immer noch in unserem Heimathafen und nicht hier in Honduras.

Käpten Sailnator: Habt Ihr auf dem Boot gelebt während des Refits und wenn ja, könnt Ihr das empfehlen?

Shannon: Wir haben beides gemacht. Abhängig von dem Projekt das gerade anstand haben wir auf dem Boot oder auf dem Boot von Jons Familie gelebt. Das Leben auf dem Boot wenn es an Land steht ist sehr hart und ich kann das nicht empfehlen. Also ich hab es gerne wenn aller Kram und die Werkzeuge aufgeräumt sind, bevor ich ins Bett klettere. Aber das dann am nächsten Morgen wieder für die Arbeit wieder alles hervorholen ist in Jons Augen Zeitverschwendung. Damit wir also glücklich bleiben und uns nicht gegenseitig erwürgen wohnen wir also lieber woanders, wenn für das Boot ein größeres Projekt ansteht.

Käpten Sailnator: Haben sich die Kosten für das Refit im erwarteten Rahmen gehalten, oder war es teurer?

Shannon: Du weißt ja wofür BOAT steht: „bust out another thousand“! (Hau noch mal einen Tausender raus) Ich muss dazu sagen: wenn wir die Arbeit in der Werft nicht selbst gemacht hätten, wäre unser Budget bei weitem gesprengt worden. Ich würde sagen wir haben gerade so viel ausgegeben um das Boot sicher und segelfertig zu bekommen. Wir haben insgesamt $20,000.00 für das Refit gezahlt. Boote sind teuer und es gibt wirklich keinen Weg um da drumherum zu kommen. Um einigermaßen im Budget zu bleiben musst Du bereit sein stundenlang in Recherche zu investieren um gute Angebote zu finden, mit denen man viel Geld spart. Man kann nicht einfach in den nächsten „West Marine“ (großer Yachtausrüster in den USA und in der Karibik) gehen und dort die Sachen für das Refit in einem angemessenen Rahmen kaufen, es sei denn Geld wächst für Dich auf den Bäumen.

Käpten Sailnator: Wie viel habt Ihr denn alles im allem ausgegeben und was kostet der Unterhalt?

Shannon: Wir haben Prism für $65,000.00 gekauft und noch einmal ungefähr $20,000.00 hineingesteckt, also sagen wir mal rund $90,000.00 um sie „ready to go“ zu bekommen. Jährlich rechnen wir dann noch mal um die $3000.00 um sie am Laufen zu halten, also Reparaturen, Verschleiß, Antifouling, Wartung etc.

Käpten Sailnator: Habt Ihr irgendwelche Ratschläge für Leute die mit kleinem Budget segeln müssen?

Shannon: Es ist machbar! $500 im Monat kann natürlich manchmal hart sein. Wir haben in Mexiko immer $1000.00 im Monat gebraucht, auch wenn wir immer versucht haben nur $500.00 auszugeben. Der größte Posten waren immer die Einladungen zum Ausgehen und etwas zu trinken. Aber wenn Du die meisten Mahlzeiten an Bord einnimmst und nicht so oft draußen trinkst kannst Du in es mit jedem Budget schaffen!

Käpten Sailnator: Womit verdient Ihr denn Euren Lebensunterhalt? Wie finanziert Ihr Euren Törn?

Shannon: Wir haben genug gespart um 2 Jahre nicht arbeiten zu müssen. Das war 2014. Jetzt machen wir Videos für unseren Youtube-Channel. Und wir haben Unterstützung von unseren „Patreons“ und andere Fans, die uns ab uns zu mal etwas spenden!

Käpten Sailnator: Und wie habt Ihr das Geld für Euer Boot zusammen bekommen?

Shannon: Jon hat gutes Geld damit verdient Fernsehsendungen für ABC und Disney zu filmen, während ich als Buchhalterin gearbeitet habe. Und wir hatten natürlich auch noch Geld vom Verkauf von unserem ersten Boot, das wir für nur $4000 gekauft und für über $20,000 verkauft haben.

Shannon and Jon

Shannon und Jon

Käpten Sailnator: Wo seid Ihr denn schon überall gewesen und was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Shannon: Wir sind 2013 im Nordwesten der USA gestartet und nach San Francisco hinunter gesegelt. Dort haben wir nach dem Refit im Oktober 2014 abgelegt mit dem Ziel Mexiko. Wir sind die Küste der Baja California 2 Monate hinuntergesegelt, dann in den Golf von Kalifornien eingebogen und 5 Monate nach Norden gesegelt. Wir haben Prism dann in Guaymas in Mexiko für 6 Monate an Land gelassen, während wir zurück in die Staaten geflogen sind, aufgrund eines Jobangebotes, dass wir nicht ausschlagen konnten. ( Jon hatte ein Angebot als „Director of Photography“ für eine National Geographic Dokumentation über Billy the Kid) Nachdem wir 2015 zum Boot zurückgekehrt sind segelten wir an der Küste Mexikos hinunter und haben dort im May 2015 ausklariert. Gerade sind wir in Honduras, brechen aber morgen (May 21, 2016) Richtung Costa Rica auf. Wir planen ein Jahr in Panama zu verbringen und sind noch nicht sicher wie es dann weiter geht.

Käpten Sailnator: Wo kann man Euch denn bei Euren Abenteuern folgen?

Shannon: Wir haben einen Blog, einen Youtube-Kanal, eine Facebook-Seite und wir sind auf Patreon, wo man uns auch unterstützen kann:

Blog: www.svprism.com
Youtube Channel: YouTube.com/c/SailingVesselPrism
Facebook: Sv Prism
Pantreon: patreon.com/SvPrism

Käpten Sailnator: Was ist Eure Intension dabei, Euer Leben auf diesen Plattformen zu teilen?

Shannon: Um unsere Erfahrungen zu teilen! Manche Leute leben ihr ganzes Leben ohne zu sehen was die Welt zu bieten hat. So versuchen wir ein kleines bisschen von unserem Abenteuer zu teilen, für die, die es nicht können.

Käpten Sailnator: Was habt Ihr auf Eurer Reise bisher als Rückseite der Medaille erlebt?

Shannon: Es ist nicht so einfach wie es aussieht! Fahrtensegeln ist ziemlich stressig und viel Arbeit. Wenigstens so wie wir es tun. Ja, es ist schön! Und die Leute die man trifft sind überwältigend und die unterschiedlichen Kulturen sind faszinierend. Trotzdem scheint es immer als würde man arbeiten um vorwärts zu kommen. Wir sind vom Wetter abhängig, und das hält uns in Bewegung und je mehr Du Dich bewegst, desto mehr Wartung braucht das Boot. Zeitweise haben wir nicht mal die Ruhe uns einfach mal hinzusetzen und zu genießen. Und Segeln ist nicht immer Schönwettersegeln. Wenn es stressig wird hinterlässt das nicht nur Spuren in der Beziehung, sondern auch am Boot. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass Du die Personen um Dich herum nicht ignorieren kannst, wenn Du nur 33 Fuß um Dich herum hast. Dazu gezwungen zu sein über jedes Detail und über alles was uns stört sprechen zu müssen hat unsere Beziehung sehr gestärkt. Aber das heißt nicht, dass wir nicht auch schon mal auf die Nerven gehen.

Käpten Sailnator: Würdet Ihr es denn trotzdem noch einmal machen, wenn Ihr vor der Wahl ständet?

Shannon: Absolut!

Käpten Sailnator: Was würdet Ihr heute anders machen?

Shannon: Jon sagt, er würde das lasierte Holz mit Farbe anstreichen, und mehr Solarpanele anbringen. Ich sage, ich wäre früher in der Saison losgefahren. Wir hatten dieses Jahr einen so späten Start, dass wir durch Mexiko durchhechten mussten, um aus der Hurricanezone zu kommen.

Käpten Sailnator: Was war denn bisher Eure schlimmste Segelerfahrung?

Shannon: Unsere erste Nachtfahrt! Wir wussten damals nicht was wir jetzt wissen, und zurückblickend hätten wir niemals ablegen dürfen, als wir es getan haben. Um es kurz zu sagen, wir waren auf einem 28 Fuß Boot, es gab kein Mondlicht, 40+ Knoten Wind und 16 Fuß hohe See innerhalb von 6 Sekunden. Wir hatten zwei Knock-Downs und die Wellen sind ins Cockpit übergekommen. Als Jon zum Mast musste um das Großsegel zu bergen hat ihm eine Welle die Lampe vom Kopf gerissen. Und weil ich kein Licht mehr gesehen habe dachte ich, die See hätte ihn über Bord gespült. Wir waren 10 Seemeilen von Point Sur in Kalifornien entfernt, ich war so seekrank, dass ich überhaupt keine Kraft mehr hatte, wir hatten keinen funktionierenden Autopiloten und ich dachte wirklich, wir würden sterben. Offensichtlich haben wir überlebt und wir haben es bis zu unserem Ziel geschafft. Ein guter Freund von uns, der von einer 12jährigen Weltumseglung heimgekehrt ist sagte uns: „1 % der Zeit beim Fahrtensegeln stehst Du mit weißen Fingerknöcheln am Steuer, aber den Rest kannst Du genießen!“ Und da muss ich zustimmen.

Käpten Sailnator: Was war denn Euer bestes Segelerlebnis?

Shannon: Für mich: Wenn wir ungefähr 10 Knoten Wind haben, der Spinnaker ist gesetzt und Delfine begleiten uns am Bug. Das passiert oft, und es ist jedes mal wieder toll. Für Jon: Wenn immer der Wind nicht von vorne kommt und unter 30 Knoten bleibt ist er glücklich. Segeln ist sein größtes Glück!

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Käpten Sailnator: Welches Ziel, Land oder Ankerplatz hat Euch bisher am besten gefallen?

Shannon: Das ist eine schwierige Frage. Es gibt so viel schöne Ankerplätze. Und jeder bietet etwas komplett anderes als die vorherigen. Mein Lieblingsplatz ist immer noch San Siemon Cove in Kalifornien. Das kann aber auch daran liegen, dass ich so spezielle Erinnerungen daran und meine Zeit mit der Familie habe. Aber auch der Ankerplatz an sich ist atemberaubend. In Mexiko gefiel mir die Bahia Santa Cruz in Hualtulco am besten. Das Wasser ist kristallklar, es gibt unglaublich viel Leben unter Wasser und der Ort ist bezaubernd.

Jon favorisiert Treasure Island in San Francisco. An der Baja California ist sein Lieblingsplatz Hipolito. Im Golf von Kalifornien findet er Mezteno an der Isla Espritu Santos toll. Und in Mexiko selbst wäre es für ihn auch die Bahia Santa Cruz.

Käpten Sailnator: Und welche Ziele stehen noch auf Eurer Liste?

Shannon: Die Welt ist riesig! Wir freuen uns wirklich auf die Las Pearlas Inseln in Panama. Wir würden gerne Europa sehen, Französisch Polynesien und die Karibik. Ja, es sieht aus als hätten wir noch ein paar Meilen zu segeln.

Käpten Sailnator: Wie sieht denn so ein normaler Tag an Bord von SV Prism aus?

Shannon: Der normale Tag vor Anker: Während ich ausschlafe macht Jon schon mal Kaffee und weckt mich dann. Ich mache Frühstück, und wir schauen vielleicht irgendwas auf dem Computer an während wir essen. Ja, und dann fangen wir an irgendwas zu tun. Spazieren/wandern, schwimmen, einkaufen (nur Essen, für Kram ist kein Platz an Bord) oder wir bleiben einfach an Bord, lesen, schneiden Videos, schreiben für den Blog, geben Interviews für Käpten Sailnator oder spielen irgendwas. Und dann gibt es richtige Arbeitstage, wo wir den ganzen Tag damit verbringen irgendwas am Boot zu reparieren oder zu warten. Eigentlich macht Jon jeden Tag irgendwas am Boot.

Der normale Tag unterwegs: Jon übernimmt die erste Wache wenn die Sonne untergeht, ich übernehme die Mitternachtswache und wir wechseln uns alle 3 Stunden ab. Bei Tageslicht verbringen wir die Zeit im Cockpit oder an Deck (hängt vom Wetter ab), wir filmen, schauen uns die Tiere um uns herum an, trimmen die Segel, und essen die kleinen Mahlzeiten, die ich gerade so kochen kann. (Ich koche nicht gerne unterwegs, und ich esse auch nicht viel auf den Passagen.)

Käpten Sailnator: Wie viel Zeit verbringt Ihr durchschnittlich mit segeln, und wie viel vor Anker, bzw. in einer Marina?

Shannon: Ich würde sagen es ist ungefähr 20% Segeln, 78 % vor Anker und 2 % in Marinas.

Käpten Sailnator: Und wie bereitet Ihr Euch jedes Mal aufs Segeln vor?

Shannon: Wir verstauen möglichst alles so, dass hoffentlich nichts heraus und herunter fällt. (Das haben wir aber noch nicht ganz raus, besonders unter Deck), wir beobachten das Wetter und fragen herum, wer diese Passage schon mal gemacht hat und erkundigen uns nach ihrer Strategie.

Käpten Sailnator: O.K. Aber wo bekommt Ihr Eure Wetterinformationen her?

Shannon: SSB nets (UKW-Funk), passageweather.com buoyweather.com eebmike.com and lokale Wettervorhersagen.

Käpten Sailnator: Und wo bekommt Ihr die Infos über die Länder die Ihr bereist?

Shannon: Revierführer, noonsite.com, Jimmy Cornell’s World Cruising Destinations, Google, und Mund zu Mund Propaganda.

Käpten Sailnator: Und wie navigiert Ihr?

Shannon: Wir haben einen Raymarine Kartenplotter mit c-maps oder Navionics Vectorkarten. Wir haben Papierkarten von allen Gebieten die wir besuchen. Wir haben Navigations-Apps auf unseren Tablets und verschiedene GPS-Geräte. Außerdem benutzen wir OpenCPN.

Käpten Sailnator: Welche Frage bekommt Ihr von Außenstehenden am meisten zu hören?

Shannon: Wie alt seid Ihr? Gefolgt von: Wie könnt Ihr Euch das leisten in so jungen Jahren Fahrtensegeln zu betreiben?

Käpten Sailnator: Was würdet Ihr denn Leuten empfehlen die den Traum haben um die Welt zu segeln oder an Bord zu leben?

Shannon:
Go simple!
Kauf Dein Boot nach seinen Hochseeeigenschaften, und nicht nach seinem Aussehen!
Kenne den Unterschied zwischen dem was getan werden muss bevor Du ablegst, und was unterwegs getan werden kann.
Es wird immer Projekte geben, die unterwegs angegangen werden müssen, egal wie neu oder tadellos Dein Boot ist!

Käpten Sailnator: Shannon und Jon, ganz herzlichen Dank für dieses sehr interessante Interview. Ich denke es enthält viele Informationen und ist eine gute Inspiration für Leute, die wie Ihr segeln wollen. Ich wünsche Euch alles Gute für Eure weitere Reise und immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel. Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja mal eines Tages da draußen – auf der brüllenden See!

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