Skippertraining | Elba – Korsika

Törnbericht: Elba – Korsika | Autor: Alexander Meyer | September 2010 | Beneteau 47.3 Mistral III Bj. 2003 | Ausbildungstörn

Samstag, 04.09.

Ich bin nach einem kurzen Flug in Pisa gelandet. Vom Flughafen aus nehme ich den Zug und zuckele für nicht einmal sieben Euro an der ligurischen Küste entlang bis nach Piombio. Für die Strecke hätte ich auch ein etwas schnelleres Sammeltaxi nehmen können. Die Fähre braucht vom Festland bis in den Hafen der Inselhauptstadt Portoferraio ca. eine Stunde.

Treffpunkt ist das Cafe del Porto direkt im Fährhafen von Elba. Unser Skipper holt uns mit dem schuleigenen VW-Bus ab und bringt uns zu unserem Schiff. Es liegt im Yachthafen der nahe gelegenen Esaom Werft. Diejenigen der Crew, die von München oder Friedrichshafen direkt auf die Insel Elba geflogen sind, befinden sich seit dem frühen Nachmittag an Bord. Ein Großteil der Lebensmittel ist schon eingekauft und wir gehen nur noch für vergessene Kleinigkeiten in den nicht weit entfernten Supermarkt.

Ausgangshafen Portoferraio

Ausgangshafen Portoferraio

Bei Einbruch der Dunkelheit ist die Crew komplett. Wir beschließen heute nicht zu kochen, sondern in den Ort essen zu gehen. Dort trifft der Wetterbericht der Daheimgebliebenen per SMS ein. In Deutschland ist es zwölf Grad kalt und es regnet, während wir hier mit Blick auf den wunderschönen Altstadthafen draußen sitzen und den lauen Abend genießen.

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Sonntag, 05.09.

Wir werden von herrlichem Sonnenschein geweckt. Über den Yachthafen der Esaom Werft weht ein leichter erfrischender Wind und wir genießen unser Frühstück im komfortablen Cockpit der Mistral III. So könnten wir ewig sitzen bleiben, aber unser Kapitän hat heute noch einiges mit uns vor. Wir haben einen Skippertrainingstörn gebucht und wollen uns darauf vorbereiten lassen, selber einmal eine Yacht zu führen.

Vor Fahrtantritt muss ein Schiffsführer als erstes überprüfen, ob die Yacht seetüchtig ist. Aber was heißt das überhaupt? Unser Skipper nimmt sich sehr viel Zeit, uns die relevanten Details zu erklären. Danach geht er zur Sicherheitseinweisung über: Wie funktionieren die Schwimmwesten und wie überprüft man ihre Funktionstüchtigkeit? Wo ist die Rettungsinsel und wie bringt man sie im Notfall zum Einsatz? Wie funktioniert die Bordtoilette und wie die Seeventile? Wo sind die Feuerlöscher und welchen benutzt man für die verschiedenen Arten von Bränden, die an Bord entstehen können? Wo sind die Lenzpumpen, die Leckstopfen, das Werkzeug, die Taschenlampen? Welche Ausrüstung darf ich auf einer Charteryacht erwarten? Und und und… Dabei bezieht uns der Skipper immer in seine Erklärungen mit ein, versucht unser schon vorhandenes Wissen in seine Vorträge mit einzubinden und es pädagogisch geschickt zu erweitern. Als die Motorkunde auf dem Programm steht, benutzt er das Prinzip der stillen Post. Er nimmt ein Crewmitglied mit zum Motor, während die anderen sich an Deck umsehen und die Sonne genießen. Der Erste muss sich alles merken, was ihm vom Skipper erklärt wurde und es an den nächsten weitergeben. Das geht so weiter, bis alle angehenden Schiffsführer einmal durch sind. Der Letzte erklärt es dann noch einmal unserem geduldigen Lehrer. Der weiß jetzt, was bei seinen Schülern angekommen ist. Was beim Weitererzählen verloren ging, ergänzt er später. Mit dieser Methode ist unsere Aufmerksamkeitsspanne natürlich hoch, denn niemand will derjenige sein, der ein Detail unterschlägt. Alle sind mit Freude dabei, es wird viel gefragt, viel ausprobiert und nachdem auch die Schiffspapiere durchgegangen sind, geht es an die Praxis.

Worum sich angehende Skipper oft die meisten Sorgen machen, sind die Hafenmanöver. Besonders für Nordlichter ist das Anlegen mit dem Heck und die Befestigung der Mooring am Bug gewöhnungsbedürftig und will geübt werden. Mit einer bewundernswerten Geduld lässt unser Skipper alle so lange an- und ablegen, bis jeder das Gefühl hat, im nächsten Hafen die Yacht im Griff zu haben. Zwischen den Anlegeversuchen gibt er immer wieder Tipps wie das Schiff manövrierfähig gehalten werden kann, wie man den Wind ausnutzt oder auf ungünstige Winde reagiert.

Bucht von Portoferraio

Bucht von Portoferraio

Über all das vergessen wir, auf die Uhr zu sehen. Plötzlich ist es schon Nachmittag – Zeit unseren Ausgangshafen zu verlassen. Wegen dem regen Fährverkehr ist es im Hafengebiet von Portoferraio nicht erlaubt zu segeln. Wir fahren unter Motor aus dieser wunderschönen Bucht, die von mit grünen Pinien bewaldeten Bergen umgeben ist. An Steuerbord thront der Volterraio mit seiner kleinen Festung auf der Spitze. An Backbord liegt die malerische Altstadt von Portoferraio mit ihrem hufeisenförmigen Hafen. Darüber breiten sich die Befestigungsanlagen der Burgen Falcone, Stella und Linguella aus, die mit einer markanten Mauer verbunden sind. Zu sehen ist auch der Palast von Napoleon, der hier neun Monate seiner Verbannung verbrachte. Der höchste Berg von Elba, der Monte Capanne, erscheint als Silhouette hinter der Stadt. Vor uns öffnet sich jetzt nach Norden das Mittelmeer. Nachdem wir die Fährlinie gekreuzt und die kleine Insel Scoglietto mit ihrem winzigen Leuchtturm passiert haben, setzen wir die Segel. Das besondere Licht, das blaue Meer und die wunderschöne Nordküste von Elba ziehen uns sofort in ihren Bann. Der Duft der ätherischen Öle, die durch die wärmende Sonne auf der grünen Insel freigesetzt werden, steigt uns in die Nase. Die Yacht legt sich leicht auf die Seite und springt sofort an. Wir segeln!

Unser Ziel für heute ist Marciana Marina. Der „Mutterort“ Marciana liegt hoch oben in den Bergen, da die Inselbewohner aus berechtigter Angst vor Piratenüberfällen früher nie direkt an der Küste gelebt haben. Der kleine Hafen hat nach Norden eine gewaltige Mauer, hinter der wir an den neuen Schwimmstegen anlegen. Die Schiffe der Yachtschule Elba sind hier wohlbekannt. Deshalb wundern sich die hilfsbereiten Marineros an der Pier auch nicht, als wir beim Anlegen die von ihnen hochgehaltene Mooringleine ignorieren. Wir befestigen erst einmal die beiden Heckleinen. Dann legt der Steuermann den Vorwärtsgang ein. Die Yacht steht nun bei leichter Vorausfahrt sicher in der Box und wir können in aller Ruhe die Mooring nehmen und ohne Hektik an der Bugklampe belegen.

Der Abend vergeht mit Kochen, einem Gang durch den kleinen Ort und endet im Cockpit, wo sich die gesamte Mannschaft zum Sundowner versammelt. Wir haben heute sehr viel gelernt und freuen uns auf die Fortsetzung des Törns am nächsten Tag.

Montag, 06.09.

Am frühen Vormittag verlassen wir Marciana Marina und nehmen Kurs auf die kleine Insel Capraia, die zwischen uns und dem Kap Corse liegt. Die Sonne scheint, es weht ein leichter Segelwind, es gibt kaum Welle – die Yacht kommt gut voran. Die Stimmung an Bord ist gut, jeder will einmal Ruder gehen und der Skipper ist bemüht auf unsere Fragen zu antworten und eigene an uns zu stellen. Wir rufen uns das gestern Gelernte noch einmal in Erinnerung und festigen so unser Wissen.

Es wird warm und unser Schiffsführer schlägt ein Bad auf offener See vor. Eine Leine wird ausgebracht, in die einige Schlaufen eingeknotet wurden und an deren Ende ein Fender befestigt ist. Die Mutigen springen am Bug über Bord. Es ist erschreckend zu sehen, wie groß eine Yacht aus dieser Perspektive erscheint und wie schnell das Boot an einem vorüberzieht. So können wir uns an die Gefühle eines über Bord Gefallenen annähernd vorstellen. Wir greifen nach der Leine, die kaum zu fassen und nur schwer zu halten ist. Der Skipper meldet drei Knoten Fahrt. Er öffnet das Großsegel. Selbst bei nur einem Knoten ist es unmöglich, der Yacht hinterher zu schwimmen. Eine beeindruckende Erfahrung!
Wieder an Bord trocknen wir uns in der Sonne. Wir drehen bei und nehmen einen kleinen Imbiss. Das Meer um uns herum scheint nur für uns erschaffen zu sein. Nichts als das blaue Wasser und der blauweiße Himmel über uns!

Am späten Nachmittag laufen wir in Capraia ein. Der Felsen ist zu einem großen Teil Naturschutzgebiet. Um den Hafen herum scheint der Ort an die Hänge der Berge angeklebt zu sein. Die Bewohner müssen in der kurzen Saison den Lebensunterhalt für das ganze Jahr verdienen. Dementsprechend hoch sind die Hafengebühren. Ich fürchte, dass die Investitionen, die in den letzten Jahren dort getätigt wurden dadurch trotzdem nicht gedeckt werden. Auch die vier Euro, die wir später für die Duschen bezahlen müssen, erscheinen mir angesichts der Wasserknappheit auf der kargen Insel gerechtfertigt.

Isola Capraia

Isola Capraia

Beim Anlegen hält uns der Marinero die Mooringleine hin. Dann aber erkennt er unser Schiff und schaut sich unser Anlegemanöver zufrieden an. Wie er uns sagt, würde er sicher unsere Segelschule besuchen, falls er einmal segeln lernen sollte! Wir haben dann ausreichend Zeit, den Ort zu erkunden. Wir folgen den Straßen den Berg hinauf und genießen die Aussicht auf den Hafen. Der Abend klingt mit einem Abendessen im Cockpit aus. Auf der Hafenpromenade beginnt das abendliche Schaulaufen, das wir uns gerne von unserem Schiff aus ansehen.

Dienstag, 07.09.

Der Tag beginnt wieder mit Sonnenschein und einem Frühstück an Deck. Wir wollen heute früh ablegen, denn unser Ziel heißt heute Korsika. Vorher verkündet der Schiffsführer den Wetterbericht: Der Wind soll heute spätestens am Nachmittag zunehmen und auf Nordost drehen. Bisher ist aber alles ruhig. Es wird ein Skipper des Tages bestimmt, der heute für die Navigation verantwortlich ist. Die An- und Ablegemanöver werden turnusmäßig durchgeführt. Jeder ist mal dran. Und natürlich wollen an so einem herrlichen Segeltag alle einmal Ruder gehen. So gleiten wir unter der strahlenden Sonne über das blaue Meer. Die Zeit vergeht, jeder hat seine Aufgabe. Immer wieder stellt uns der Skipper vor Probleme, die wir als zukünftige Schiffsführer zu lösen hätten. Gerade ist die Crew mit einem gerissenen Lazyjack am Baum beschäftigt, als der Steuermann einen Frachter an Steuerbord voraus meldet, der sich auf uns zu bewegt.

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Der Skipper schaut kurz von der Arbeit in die angegebene Richtung auf und gibt Kommando zum Kurs halten. Der Mann am Ruder bleibt beunruhigt und meldet nach kurzer Zeit wieder das sich schnell nähernde Schiff. Immer noch soll der Kurs beibehalten werden. Jetzt aber passiert folgendes: Der Steuermann schaltet selbständig und ohne auf die Zustimmung des Skippers zu warten den Motor an. Dadurch dreht er die Rechtslage mit dem Zündschlüssel komplett zu unseren Ungunsten um. Nun sind wir Motorfahrzeug und müssen einem anderen Fahrzeug unter Motor, das sich von Steuerbord nähert, ausweichen. Nach einem sehr deutlichen Kommando des Skippers wird der Motor wieder ausgeschaltet. Die Stimmung droht zu kippen, aber mit einem kurzen ruhigen Gespräch wird der Sachverhalt geklärt und die Meinungsverschiedenheit aus dem Weg geräumt. Schiffsführung ist eben auch Menschenführung! Der Frachter geht dann weit hinter uns durch. Der Kapitän hatte schon beim ersten in Sicht kommen auf unser Heck zugehalten.

Langsam frischt der Wind auf. Der Himmel beginnt sich zuzuziehen, aber zum Glück erscheinen nicht die gefürchteten Wolken in Linsenform, die einen Mistral ankündigen. Nach und nach baut sich eine Welle auf. Für meine Mitsegler überhaupt kein Problem. Doch mein Magen ist in der Regel in den ersten Tagen eines Törns sehr empfindlich. Ich merke, wie ich müde und gereizt werde. Um anstehende Aufgaben zu erledigen, muss ich mich überwinden. Dann ist es soweit. Der Mageninhalt geht nach Lee außenbords. Für mich wird ein Eimer aus der Backskiste geholt. Ich ziehe mich in den Salon zurück, auch um meinen Mitseglern den Spaß an ihrem Törn durch die von mir produzierte Geräuschkulisse nicht zu verderben. Ungefähr auf Höhe der Pantry sind die Schiffsbewegungen am wenigsten zu spüren und dort lege ich mich auf den Boden. Ich lese dann das erste Mal den Satz, den ich noch so oft sehen und so schnell nicht wieder vergessen werde. In den Boden des Eimers eingestempelt sind die Worte „Made in Spain“! Wie schon erwähnt, beschrieb mein erster Skipper die Seekrankheit so: „Erst hat man Angst zu sterben. Später hat man Angst, dass man nicht stirbt!“ Ganz so schlimm kommt es diesmal nicht. Ich werde nicht richtig apathisch und bleibe für meine Begriffe auch bei Sinnen. Der Skipper veranlasst trotzdem, dass ich eine Schwimmweste trage. Minuten ziehen sich wie Stunden bis Macinaggio im Norden Korsikas gesichtet wird, wo wir heute anlegen wollen. Kurz vor Erreichen des Hafens kommt leider die schlechte Nachricht. Genau auf die Einfahrt steht eine tückische Welle. Der Skipper befürchtet, von der Brandung gegen die Hafenmauer gespült zu werden oder in der Grundsee aufzusetzen. Er hat zwar Mitleid mit mir, muss aber das Kommando zum Abdrehen geben, um die Sicherheit des Schiffes und der Mannschaft zu gewährleisten. Er will weiter nach Norden fahren und hinter Kap Korse in der Abdeckung warten, bis der Wind nachlässt und die Wellen kleiner werden. Sofort kann ich mit der Lektüre meines Bodensatzes fortfahren. Es folgt eine weitere schlimme Stunde.

Gleich hinter den Felsen des Kaps ist die See spiegelglatt und mein Magen beruhigt sich sofort, als wäre nichts gewesen. Ich kann wieder an Deck kommen und die beeindruckende Kulisse der Berge Korsikas genießen. Wir bleiben im Windschatten und drehen langsam ein paar Runden. Weiter draußen produziert eine Yacht unter Vollzeug einen Sonnenschuss nach dem anderen. Sie kommen auch nicht mehr durch die Wende und nähern sich immer mehr den Felsen. Die Küstenwache bringt Wetterwarnungen und Pan Pan-Meldungen konsequent auf Französisch. Der Skipper muss sie eigens anrufen, um einen Bericht der Lage in Englisch zu erhalten.

Ich darf jetzt auch einmal ans Ruder. Mit vielleicht eineinhalb Knoten Fahrt gehe ich nach einer Weile in die Wende, als das Unglaubliche passiert. Der Baum geht langsam auf die andere Seite und sackt dort angekommen plötzlich ab. Der Lümmelbeschlag ist gebrochen! Alle sind vor Schreck erstarrt, als einer ruft, ich solle in den Wind schießen. Sofort gibt der Skipper jedoch das Kommando, dies nicht zu tun, sondern Kurs zu halten. Der Baum hängt bei diesem schwachen Wind gut am Großsegel und in den Lazyjacks. In den Wind schießen und damit den Baum hin- und herzuschwingen zu lassen, wäre ein unkalkulierbares Risiko. Vorsichtig beginnt die Mannschaft, die dünnen Leinen des Lazyjack zu lösen. Dann wird das Großfall gefiert und das Segel auf höchstem Amwindkurs vorsichtig geborgen. Das Manöver gelingt und der Baum kann heruntergenommen und an Deck sicher festgemacht werden. Erleichterung macht sich breit. Aber was jetzt? Wir rollen die Fock ein und bleiben unter Motor erst einmal auf Position.

Nach einer Stunde hat sich der Wind merklich gelegt, aber als wir Kap Corse wieder umrunden, zwingt mich die Dünung zurück auf den Salonboden und meine Lektüre beginnt von vorne. So bekomme ich nichts von der Fahrt mit und bleibe unter Deck bis die Leinen im Hafen belegt sind. Im Laufe des Abends frischt der Wind wieder auf und das Wasser spritzt über die Hafenmauer von Macinaggio auf den Kai. Wir sind alle froh, dass wir hier sicher liegen und genießen das Abendessen heute einmal unter Deck.

Mittwoch, 08.09.

Am Morgen hat sich die See beruhigt. Die Sonne schaut zwischen einzelnen größeren Wolken hervor. Es ist kühler geworden, aber eine leichte Jacke reicht vollkommen aus, als wir unter unserem einzig verbliebenen Segel die malerische Küste Korsikas hinuntersegeln. Die Stimmung ist gut und den Verlust des Baumes sehen wir inzwischen als ein gutes Skippertraining an. So etwas bekommt man nicht überall geboten. Wenn es nicht aus Versehen passiert wäre, hätte man es herbeiführen müssen.

Um die Mittagszeit erreichen wir Bastia. Die meisten Gastliegeplätze befinden sich gleich an Steuerbord hinter der Hafenmauer, aber unser Skipper kennt sich aus. Er lässt die Steuerfrau immer weiter in den enger werdenden Hafen fahren und erspäht dann einen freien Platz ganz nach seinem Geschmack. Dort liegen wir mit dem Heck so, dass wir aus dem Cockpit den Blick auf die wunderschöne Altstadt genießen können. Unbezahlbar!

Bastia

Bastia

Nach uns kommt noch ein Russe mit einer sehr langen Yacht in unsere enge Boxengasse. Wo er anlegen will, ist nicht zu erkennen. Alles scheint voll. Die Mannschaft werkelt an Deck herum und ist, so wie sie die Leinen halten, offensichtlich unerfahren. Wir stehen auf, um uns das Spektakel anzusehen. Unsere Kameras sind gezückt, denn wir rechnen mit Bruch. Auf den Schiffen tiefer in der Gasse werden die Fender bereitgehalten. Es kommt zum Showdown. Mit zwei oder drei gekonnten Bewegungen des Gashebels schafft es der Mann perfekt in die schmale Lücke. Es gibt Applaus.

Nach einem kleinen Imbiss sind wir gespannt auf Bastia. Die alten Häuser, die engen Gassen, die schönen Plätze und die Aussicht von den höher gelegenen Punkten der Stadt auf den Hafen nehmen uns in ihren Bann. So vergeht der Nachmittag, bis wir uns wieder auf der Yacht treffen. Eine deutsche Familie kommt auf den Steg, liest den Namen des Heimathafens auf unserem Schiff und fragt, ob wir von Hamburg bis hierher gesegelt sind. Natürlich sind wir…

Am Abend führt uns unser Skipper in ein uriges Restaurant, das wir ohne ihn sicher nicht gefunden hätten. Es befindet sich in einer kleinen Nebengasse im ersten Stock eines leicht heruntergekommenen Hauses. Es gibt keine Speisekarte, sondern für alle das gleiche Menü. Und das wohl schon seit Jahren. Nur das korsische Wildschwein und die im Preis enthaltene sich immer wieder wie von selbst auffüllende Flasche Grappa sind mir in Erinnerung geblieben. Diese trägt dann auch wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Zufrieden kommen wir an unserem Schiff an, genießen noch lange den Blick auf die jetzt wunderschön illuminierte Stadt und fallen irgendwann zufrieden in die Koje.

Donnerstag, 09.09.

Der Skipper steht seit gestern in noch engerem Kontakt mit der Segelschule als sonst. Dort ist es gelungen, einen passenden Lümmelbeschlag für unseren Baum aufzutreiben. Kurz wurde überlegt, einen Techniker mit dem Ersatzteil mit einer Fähre nach Korsika zu uns zu schicken. Angesichts der sich bald ändernden Wetterlage wurde das aber verworfen. Wir wollen heute lieber zurück nach Elba fahren.

Sonnenaufgang Bastia

Sonnenaufgang Bastia

Um noch möglichst viel vom Segeltag zu haben, stehen wir deshalb vor Sonnenaufgang auf. Wir liegen gerade in der Hafeneinfahrt, als der helle Himmelskörper über den Horizont steigt. Bevor es weitergeht, müssen wir allerdings erst eine große Fähre einfahren lassen. Draußen setzen wir das Vorsegel und nehmen Kurs auf Portoferraio. Erst geht es auch ganz gut voran, doch dann schläft der Wind ein. Der Skipper befürchtet, dass wir so erst ankommen, wenn der Bootsmann, der unseren Baum reparieren soll, schon Feierabend macht. So fahren wir die letzten Seemeilen unter Motor Richtung Elba noch bei strahlendem Sonnenschein und erreichen den Hafen am Nachmittag.

Inzwischen hat es sich zugezogen. In der Ferne grummelt es. Als der Techniker mit seinem Lieferwagen am Hafen erscheint, zucken schon die ersten Blitze. Er schaut sich den Schaden an, stellt fest, dass er das richtige Teil dabei hat, will aber bei dem aufziehenden Gewitter nicht am Mast arbeiten. Kurz darauf geht es auch schon richtig los. Wir bleiben unter Deck und unser Skipper erklärt uns ausführlich und anschaulich, worauf wir zu achten haben, wenn wir selber einmal ein Schiff chartern wollen. So zieht das Gewitter vorüber und wir können am Abend zum Essen in die Stadt gehen.

Freitag, 10.09.

Wir wachen von Arbeitsgeräuschen an Deck auf. Nach dem Frühstück hängt der Baum schon wieder am Mast. Die Sonne ist herausgekommen und es steht ein steifer Nordostwind auf die Insel. Weil die Bucht selber dagegen geschützt ist, ist hier ist das Wasser aber ruhig. Heute ist der letzte Tag unseres Skippertrainings und wir werden keinen anderen Hafen mehr anlaufen.

Als erste Übung wünscht sich die Crew noch einmal das Anlegen in der Marina zu trainieren. Gegen Mittag geht es hinaus aus der Bucht, wo sich schon eine ordentliche Welle aufgebaut hat. Hier lernen wir jetzt alle Variationen des „Boje über Bord“-Manövers, Q-Wende, Halse, Quickstop, Münchener Manöver und besondere Tricks, die der Skipper noch auf Lager hat. Und all das unter sehr realistischen Bedingungen. Wenn jemand über Bord gehen sollte – dann bei solchen Brechern, wie wir sie heute haben. Es ist beeindruckend wie agil die Yacht trotz ihrer Größe und ihres Gewichtes über die schäumenden Wellenkämme reitet und was man ihr alles zumuten kann. Die Mannschaft ist mit voller Konzentration dabei und jeder will die einzelnen Manöver ausprobieren.
Am späten Nachmittag geht es zurück in den Hafen. Alle sind erschöpft, aber froh, so eine lehrreiche und spannende Woche erlebt zu haben. Und ich bin mir sicher, dass ich einen Satz, den ich hier gelernt habe, nie vergessen werde: „Made in Spain“!

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