Charterbericht: Varianta 18

Charterbericht: Varianta 18  | Seegebiet: Markermeer  | Monnickendam, April 2012  | Autor: Alexander Meyer | Vercharterer: Yacht Charter Waterland

Die Varianta 18 von Dehler hatte schon gleich, als sie auf den Markt kam, mein Interesse geweckt. Das Prinzip eines einfachen und günstigen Einsteigerbootes gefiel mir sehr und auf den einschlägigen Wassersportmessen machte sie in meinen Augen eine gute Figur.

Monnikendam

Monnikendam

Es gab verschiedene Anbieter, die das Schiffchen für einige Tage oder wochenweise vercharterten. Meine Wahl fiel auf Monnikendam am Markermeer am südlichen Rand des IJsselmeers. Amsterdam war mit dem ICE z.B. von Köln aus in etwas weniger als drei Stunden zu erreichen. Von dort ging es in ca. 20 Minuten weiter mit dem Bus direkt nach Monnikendam. Ich wollte die Varianta 18 der Jahreszeit entsprechend als Daysailer chartern, deshalb hatte ich eine schöne kleine Wohnung direkt am Altstadthafen gemietet – mit Blick auf die Masten, der dort liegenden Plattbodenschiffe. Der Ort an sich ist ganz niedlich, war aber abends wie ausgestorben. Entweder lag es daran, dass ich in der Vorsaison da war, oder dass es ist einfach kein Touristenort ist. Keine Ahnung.

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Der Törn

Wir erreichen Monnikendam an einem Dienstagsnachmittag im April, beziehen die schöne Ferienwohnung und gehen am frühen Abend in den menschenleeren Yachthafen. Wir werfen einen ersten Blick auf unseren „Puck“ und versuchen dann erfolglos, irgendetwas in dem Ort zu unternehmen. Wir kommen durchgefroren in die Wohnung zurück und ich beglückwünsche mich zu der Entscheidung, nicht auf dem Boot zu schlafen.

Mittwoch, 11.04.

Varianta 18: "Puck"

Varianta 18: „Puck“

Nach den Erfahrungen des gestrigen Abends bereiten wir uns auf einen kalten Tag vor. Skiunterwäsche, Hose, Fleecepulli, Softshelljacke und Ölzeug. Eine Zwiebel könnte nicht mehr Häute tragen. Dazu Wollmütze und richtig dicke Steuermannshandschuhe. Schon auf dem Weg zum Yachthafen kommen wir ins Schwitzen. Die Sonne scheint. Weil ich die Kreditkarte vergessen habe, muss ich noch mal zurück zur Wohnung hecheln.

Im Büro von Yacht Charter Waterland ist man sehr nett. Nach den Formalitäten bekommen wir einen Korb mit Kaffee, Waffeln, Schwimmwesten, Kompass und einer Seekarte. Im Hafen wird noch geschraubt und gewienert. Die Yachten sind gerade erst ins Wasser gekommen. Am nächsten Wochenende soll eine Regatta der Stammkunden zur Saisoneröffnung stattfinden. Der Bootsmann Jan muss seine Arbeit unterbrechen, um uns in unser „Schiffchen“, wie er es nennt, einzuweisen. Das geht recht schnell, denn die Variana 18 hat fast nichts, was sich nicht für einen halbwegs geübten Segler von selber erklären würde. Nur leider vergisst Jan uns darauf hinzuweisen, die Abdeckung des Niedergangs beim Segeln besser unter Deck zu legen – aber dazu später.

Nach gründlicher Inspektion des Bootes und Studium der beigelegten Seekarte wollen wir es wagen. Der Elektroaußenborder zieht uns rückwärts aus der Box und wir drehen in der engen Ecke am Ende der Boxengasse fast auf dem Teller. Wir rollen die Fock aus und lassen uns so aus dem Hafen ziehen. Ich will draußen im Fahrwasser in den Wind schießen und ohne Motorunterstützung die Segel setzen, aber die Mastrutscher bleiben hängen und das Manöver gelingt nur unter Stress und mit Anstrengung.

Das ist schnell vergessen, denn es weht ein frischer Wind und wir sind glücklich, nach dem langen Winter endlich wieder segeln zu können. Es ist herrlich! Weil wir den Wind im Hafen nicht einschätzen konnten, haben wir dort schon ein Reff eingebunden. Das erweist sich als die richtige Entscheidung. Das Fahrwasser ist erst gut vor Wind geschützt, aber nach dem ersten Kap legt sich unser „Puck“ schon ganz schön auf die Seite und prescht trotz Reff davon. Die Seekarte immer wieder aus dem Korb zu fischen, ist umständlich. An Deck kann man sie wegen dem Wind auch nicht liegen lassen. Ein im Cockpit mit Folie angeklebter Kartenausschnitt wäre hilfreich gewesen. Als die Wassertiefe auch neben der Fahrrinne endlich zunimmt, wagen wir das ein oder andere Manöver. Da passiert es.

Weil wir überkommendes Wasser erwarteten, haben wir die Abdeckung des Niedergangs beim Segeln da gelassen, wo sie auch eigentlich hingehört: auf der Luke. Doch schon bei der ersten Wende rutscht das viel zu leichte Ding ab und fällt ins Wasser. Es besteht aus weichem Kunststoff, so ähnlich wie die Frischhalteboxen für den Kühlschrank.

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Varianta 18: "Puck"

Varianta 18: „Puck“

Wir sind noch nicht aufeinander eingestellt, alles Wissen über das „Boje über Bord“-Manöver erweist sich in der Praxis, wenn man nicht damit rechnet, als reine Theorie. Der Deckel wird erst von Wasser überspült, dann verlieren wir ihn aus den Augen und er versinkt. Super, das war dann schon mal die Hälfte der Kaution und das für diesen unbrauchbaren Plastikschrott… nun denn. Wir beschließen uns den Segeltag nicht verderben zu lassen und fahren hinaus aufs Markermeer.

Inzwischen hat der Wind weiter zugenommen. Weiße Schaumfäden haben sich in Windrichtung auf dem Wasser gebildet. Ich wünsche mir ein zweites Reff, aber das ist nicht vorhanden (kann man aber nachrüsten). Zum Glück segeln wir küstennah und es hat sich in der Abdeckung noch keine Welle aufgebaut. Es wird richtig sportlich. Das Boot steckt den Wind gut weg, neigt allerdings bei stärkerer Krängung in Böen schnell zum Sonnenschuss. Fährt man aber vorausschauend und geht rechtzeitig höher an den Wind, macht das Boot jetzt richtig Spaß. Trotzdem habe ich das Gefühl ein längeres Ruderblatt hätte nicht geschadet. So langsam segeln wir uns ein und die Koordination sowie die Kommunikation funktionieren immer besser. Gern hätten wir den Gennacker gezogen, aber dazu ist einfach zu viel Wind.

Die Zeit vergeht wie im Flug und am Nachmittag fahren wir wieder ins Fahrwasser Richtung Marken und Monnikendam ein. Zurück müssen wir kreuzen und können an einer breiteren Stelle gerade noch rechtzeitig ein Fahrgastschiff durchlassen, das sich von achtern genähert hat. Es biegt nach Marken ab. Das bringt uns auf die Idee dort Kaffee trinken zu gehen, bevor wir in unseren Heimathafen zurückkehren. Also starten wir den Motor und nehmen die Segel herunter. Dass der Motor kurz mal aussetzt, nehme ich nicht weiter wichtig. Ich schiebe es darauf, dass ich Vorwärts- und Rückwärtsgang verwechselt habe. Wir nähern uns dem Hafen. Kurz vor der Einfahrt setzt sich das darin befindliche Fahrgastschiff in Bewegung. Natürlich gerade jetzt und gerade jetzt setzt der Motor aus. Rütteln und schütteln, an- und ausschalten bringt nichts. Er fängt nicht mehr an zu surren. Inzwischen steht das Fahrgastschiff direkt vor uns in der Hafeneinfahrt und wir treiben im engen Fahrwasser auf dessen Mitte zu. Oho. Was nun? Schnell rollen wir die Fock aus, schaffen es bis zum Tonnenstrich, wagen uns darüber hinaus, halsen und lassen das Schiff durch. Die Mastrutscher des Großsegels haken mal wieder, aber nach einigen stressigen Minuten haben wir unser Boot wieder im Griff. Der Plan in Marken zu pausieren, wird fallengelassen. Ab jetzt beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir ohne Motor wieder an unseren Liegeplatz kommen.

Sind wir zu Beginn mit achterlichen Winden wunderbar aufs offene Wasser gekommen, so müssen wir jetzt mühsam zurückkreuzen. Wir kämpfen uns von Tonne zu Tonne. Ich rechne mir beim Blick auf die Karte aus, dass wir bei Tonne zehn das Großsegel bergen und uns von der Fock fast bis in die Box ziehen lassen können. Nur das letzte Stück müssten wir uns an den Pfählen entlang hangeln. Und so funktioniert es dann auch. Wir verpassen zwar die Einfahrt in unsere verwinkelte Boxengasse, aber dafür macht plötzlich der Motor auf den letzten Metern wieder mit und so gelingt das Anlegemanöver.

Wir klaren das Boot auf und ich nehme den Akku vom Motor ab. Die Kontakte sind über den Winter teilweise grünlich korrodiert und vom täglichen Ein- und Ausbau auseinandergebogen. Mit etwas Fett und einer Zange wäre der Wackelkontakt bestimmt zu beheben. Wir sagen im Büro Bescheid und sofort kommt der Chef, um sich unseren Problemen zu widmen. Das Großsegel lässt sich hier im Hafen von ihm ohne zu verhaken schnell hochziehen. Der Motor springt auch sofort an und läuft ruhig weiter. Der Vorführeffekt. Jetzt müssen wir allerdings noch die verlorene Lukenabdeckung beichten. Der Mann bleibt ruhig. Wir haben Glück, denn das eben versenkte Teil hatte einen Riss aus der letzten Saison und die neue Abdeckung liegt schon bereit. Wir müssen nichts bezahlen.

Donnerstag, 12.04.

Leider sind für heute Gewitter vorhergesagt, so dass wir uns nicht richtig hinaus trauen. Irgendwann schläft der Wind schulbuchmäßig ein, dreht und es fängt an zu grummeln. Also schnell zurück in den Hafen. Wieder setzt der Motor aus. Diesmal nehmen wir das Paddel, um an den Liegeplatz zu gelangen, was erstaunlich leicht geht. Für den nächsten Tag wird uns ein Benzinaußenborder versprochen.

Freitag, 13.04.

Der neue Motor ist am nächsten Morgen auch tatsächlich montiert. Wir müssen das lange enge Fahrwasser hinauskreuzen und dabei nimmt der Wind stetig ab. Das Boot macht aber trotzdem noch ein bisschen Fahrt. Die Stimmung an Bord bleibt gut und selbst als es anfängt zu regnen, sind wir noch guter Dinge. Wir entscheiden, das schlechte Wetter dann doch lieber in einem Café in Marken durchziehen zu lassen und wagen die Anfahrt auf den Hafen ein zweites Mal. Wieder liegt ein Fahrgastschiff am Kai, aber der Außenborder schiebt uns zuverlässig durch die Einfahrt, bevor es ablegt.

Varianta 18: "Puck" in Marken

Varianta 18: „Puck“ in Marken

Überall ist Liegeverbot angezeigt. Ich fahre einen Kringel, bis mir ein Schild auffällt – laut dem Sportbooten das Anlegen für drei Stunden erlaubt ist. Nach Apfelpfannekuchen und Kaffee legen wir wieder ab. Um 17.00 Uhr soll das Schiffchen übergeben werden und bei dem schwachen Wind rechnen wir mehr Zeit für die Rückfahrt ein.

So dümpeln wir dahin. Kurz vor dem Hafen frischt der Wind wieder auf. Endlich können wir richtig segeln. Die letzte Stunde, die wir noch haben, fahren wir zwischen Tonne 10 und 12 immer hin und her. Jetzt müsste man rausfahren und den Gennaker setzen, aber das offene Wasser ist viel zu weit entfernt, um pünktlich wieder zurück zu sein. Das Boot zeigt auch hier, was es kann, wir haben unseren Spaß und geben es nur ungern wieder ab.

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